Im Pfarrgarten unter freiem Himmel feiert die Kirchengemeinde Aerzen am kommenden Sonntag Gottesdienste. Da die Zahl der Teilnehmenden durch die Allgemeinverfügung des Landkreises Hameln-Pyrmont auf 20 beschränkt ist, wird zu dem Gottesdienst zwei Mal eingeladen: um 10 Uhr und um 10:45 Uhr. Er wird von Lektor Ullrich Händchen zusammen mit Kirchenmusiker Martin Winkler gestaltetet. Nach einer ersten Erprobung werden die Teilnehmenden an Gottesdiensten zukünftig über die Luca-App erfasst. Damit kann die vorgeschriebene Dokumentation der Teilnehmenden mit weniger Aufwand erfasst und eine eventuelle Rückverfolgung durch das Gesundheitsamt einfacher durchgeführt werden. Wer kein Handy oder die Luca-App nicht auf seinem Smartphone hat, wird wie bisher vor Beginn des Gottesdienstes in die Liste eingetragen. Die Luca-App für Standorte, an denen regelmäßig Publikumsverkehr ist, wurde vom Gesundheitsamt in den letzten Wochen empfohlen.

„Der Kirchenvorstand in Aerzen hat schon vor dem erneuten strengen Lockdown entschieden, die Erfassung der Teilnehmenden auf das vom Land Niedersachen empfohlene System umzustellen,“ erläutert Pastor Christof Vetter. Sowohl im Gemeindehaus wie in der Marienkirche wurden die technischen Voraussetzungen eingerichtet und beide Orte als Luca-Standorte angemeldet. „Für alle, die am Gottesdienst teilnehmen wollen, ändert sich dadurch wenig: Wer die Luca-App auf seinem Smartphone hat, braucht nur seinen QR-Code einscannen, wer sich die App noch nicht heruntergeladen hat, wird wie bisher erfasst.“ Der Kirchenvorstand möchte damit ein Zeichen setzen, dass alles, was eine Eindämmung der Pandemie fördert, in der Kirchengemeinde unterstützt wird.

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Zum Donload der Luca-App Bild anklicken oder hier klicken... - das ganze dauert nur wenige Augenblicke... 

 

 

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Pastor Christof Vetter bei der Mahnwache anlässlich 35 Jahre reaktorunglück in Tschernobyl:

 

Mahnwache heißt: still werden.
Still werden in einer Zeit,
die heute so anders ist als vor 35 Jahren,
die corona-bedingt anders ist,
die trotz allem laut ist.
Sich erinnern, daran denken,
während die Gedanken gefangen sind,
in anderen Nöten, Ängsten und Sorgen
als die damals.

Mahnwache heißt erinnern,
erinnern, dass damals nicht Inzidienzzahlen,
sondern Becquerel-Werte das Denken beherrscht haben.
Zahlen sind beides,
Ziffern, leicht ausgesprochen
und doch so schwer zu begreifen.

Ob die Inzidenzzahlen heute,
oder die Becquerel-Werte damals:
es geht um Menschen,
es geht um unser Leben,
um das Leben unserer Kinder und Enkel.
Muss genau zu sagen:    
es geht um Leben und Tod.

Der fünfjährige Junge sitzt traurig
auf der Bank vor dem Haus seiner Eltern.
Niedergeschlagen.
In sich versunken.
Er schaut nur kurz auf,
als sein Patenonkel die Straße herunter kommt.
„Hey, Junge, was ist los.“
Seine Antwort kommt leise:
„Mama hat gesagt,
ich darf nicht im Sandkasten spielen.“
Kurz flackert Hoffnung in seinen Augen auf:
Der Patenonkel wird’s schon richten.

Der Patenonkel kann gar nichts richten.
Dieses Mal nicht.
Aber wie erkläre ich einem Fünfjährigen,
was Atome sind,
was Becquerel-Werte zu bedeuten haben
und dass der Regen der letzten Tage uns etwas gebracht hat,
was wir nicht haben wollten,
direkt aus der Ukraine,
bis zu uns nach Tübingen.

Ich erinnere mich,
dass seine Mutter mit uns beiden
noch lange auf jener Bank gesessen ist,
vor dem Haus meiner Freunde,
am Stadtrand von Tübingen.
Wir haben darüber gesprochen,
dass solche verseuchten Atome in der Luft
nicht zu sehen,
nicht zu riechen,
und doch richtig gefährlich sind,
lebensgefährlich.

Ein Nachbar kommt vorbei.
Eine Generation älter als wir.
Der Fünfjährige,
der meint, nun begriffen zu haben,
was nicht zu begreifen ist,
baut sich vor dem Nachbarn auf,
den er sehr schätzte
und mit dem er öfters spricht,
so von Mann zu Mann.
Der Junge erklärt dem Betagten,
wie gefährlich das alles sei:
Der Sandkasten sei vergiftet,
und ob man das Gemüse aus dem Garten
noch essen könne, 
wisse die Mama noch nicht.
Vielleicht muss man alles wegwerfen!
Eigentlich sei die Luft vergiftet.

Die Erinnerung an die beiden Gespräche,
irgendwann Anfang Mai 1986
zu dritt, zu viert,
über Generationen hinweg,
habe ich 35 Jahre nicht vergessen.
Diese Gespräche,
zuerst auf einer Bank,
am Stadtrand von Tübingen,
dann in der Küche am Esstisch,
sind mir mahnend in Erinnerung geblieben,
die Stimme, die Worte meines Patensohns,
dass vielleicht alles vergiftet ist.

Manches aus jener Zeit habe ich vergessen,
auch manches, was ich damals im Studium gelernt habe,
eines nicht:
Der Gedanke, der mir in diesen Gesprächen,
an jenem Nachmittag gekommen ist:

Es kann nicht Gottes Willen sein,
dass wir Menschen die Zukunft unserer Kinder
aufs Spiel setzen.

Es kann nicht unser Wille sein,
dass wir die Zukunft nachfolgender Generationen
aufs Spiel setzen.

Heute,
35 Jahre später,
ist nicht zu begreifen und nicht zu verstehen,
warum damals,
1986 nicht umgehend
und so schnell als möglich,
politisch beschlossen wurde,
diesem Wahnsinn ein Ende zu machen.

Heute,
35 Jahre später,
ist nicht zu begreifen und nicht zu verstehen,
warum die politisch Verantwortlichen,
zwar davon geredet haben,
dass Energiegewinnung aus Atomkraft
ein Ende haben muss,
nur eine Übergangslösung sei,
und doch nichts dafür getan wurde,
die Atomkraftwerke abzuschalten.

Heute,
35 Jahre später,
ist es nicht zu ergreifen und nicht zu verstehen,
warum wir damals nicht
noch energischer, noch fordernder,
noch lautstarker auf die straße gegangen sind,
um dem atomaren Wahnsinn ein Ende zu bereiten.

Heute,
35 Jahre später,
ist es nicht zu begreifen und nicht zu verstehen,
warum es einen zweiten Unfall in einem Kernkraftwerk
von ähnlicher Dimension brauchte,
dass zumindest in Deutschland,
der Ausstieg in Angriff genommen wurde. 

Heute,
ganz aktuell,
ist es nicht zu begreifen und nicht zu verstehen,
dass immer wieder argumentiert wird,
Kernkraft sei zur Energiegewinnung sauberer
als andere Methoden der Energiegewinnung.
Es kann nicht sein,
es darf nicht sein,
dass mit dem Argument,
um aktuell der Klimakatastrophe zu wehren,
den CO2-Ausstoß zu verringern,
Müll, Atommüll produziert wird,
der über Generationen nicht beherrscht werden kann.

Heute,
ganz aktuell,
sind wir alle herausgefordert,
alles, dafür zu tun,
dass wir Menschen,
und dass unsere Kinder und Enkelkinder,
auch die, die noch nicht geboren sind,
eine lebenswerte Umwelt vorfinden.
Das heißt,
wir versuchen politisch, wissenschaftlich begründet,
mit unserem persönlichen Verhalten,
der Klimakatastrophe uns entgegenzustellen
und keinen atomaren Müll mehr zu produzieren,
der Leben und Gesundheit noch eine für uns
nicht überschaubare Zeit gefährdet.

Bei all den Wünschen und Hoffnungen,
die in unseren Herzen und in unseren Gedanken,
gibt es doch nur eines,
was wir alle wollen:
Wir wollen leben.

 

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Gottesdienste zu feiern, miteinander Gott zu loben und Gott das menschliche Leid zu klagen, ist eine der schönsten und wichtigsten Formen, das Leben zu feiern. Nun wurde heute Vormittag in der DeWeZet und gestern schon auf radio aktiv angekündigt, dass Gottesdienste – einschließlich Trauungen und Trauerfeiern – ab Donnerstag, 22. April, im Landkreis Hameln-Pyrmont besonderen Bedingungen unterliegen. Der erste Eindruck ist, dass es damit nicht mehr oder nur sehr schwer möglich sein wird, in der gewohnten Form Gottesdienste in der Kirchengemeinde Aerzen zu feiern.

Der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Aerzen wird in einer Sondersitzung am heutigen Mittwoch, 21. April, beraten und entscheiden, was die Vorgaben des Landkreises für das gottesdienstlichen Leben in Aerzen bedeutet. Der von der Gemeinde gewählte Kirchenvorstand wird zusammen mit den Hauptramtlichen der Kirchengemeinde versuchen,  Möglichkeiten zu entwickeln, dass wir in der Kirchengemeinde Gott loben, das Leben feiern und das menschliche Leid beklagen können. Wie das genau aussehen wird, kann erst nach der Kirchenvorstandssitzung beschrieben werden.

Ein Angebot besteht allerdings auf jeden Fall weiter: Jede Woche verteilen fleißige Menschen in Briefkästen unserer Kirchengemeinde „LEBENSZEICHEN – Gottesdienst feiern gemeinsam oder zu Hause“. Pastor Simon Pabst, die Diakoninnen Selma Conzendorf und Julia Aschenbach sowie Pastor Christof Vetter bieten im wöchentlichen Wechsel auf acht Din A5 Seiten eine kurze Form des sonntäglichen Gottesdienstes, die zu Hause gefeiert werden kann – im Bewusstsein, dass so auch in anderen Häusern der Kirchengemeinde gefeiert wird. Wer angesichts der Entwicklung der Pandemie dies Möglichkeit nützen möchte, sollte sich im Pfarrbüro melden: pfarrbuero@kirche-aerzen.de oder 05154/3473.

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Ein Gottesdienst, der aufs jeden Fall wie geplant stattfindet ist der Jugendgottesdienst „spirit@work“ am Freitag 30. April ab 18:30 Uhr. Der von den Diakoninnen Selma conzendorf und Julia Aschenbach mit einem Team der Evangelischen Jugend Aerzen vorbereitete Gottesdienst findet digital statt. Gefeiert wird auf der Internetplattformen „Zoom“ – wer dazu gern Zugang hätte, wendet sich bitte mit einem Mail an spirit@jugenddienst.de oder auch ans Pfarrbüro. 

 

Mit 50 Menschen haben der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Dr. Ullrich Händchen, Pastor Christof Vetter und Kirchenmusiker Martin Winkler auf dem Friedhof in Aerzen der Verstorbenen während der Pandemiezeit gedacht und gemeinsam gebetet.

"Wir halten inne auf einem Weg, den wir nicht selbst gewählt haben. Wir halten inne auf einem Weg, der noch nicht zu Ende ist. Denn wir sind noch unterwegs in dieser Krise. Das Virus ist noch nicht verschwunden. Wir gehen durch ein finsteres Tal. So formuliert es der Beter des 23. Psalms. Doch die Hoffnung geht mit. Das Tal wird ein Ende haben.

Oft gehen wir mit zitternden Knien. Vieles ist überwältigend und verstörend. Darum müssen wir manchmal anhalten. Unsere Seelen sich ausruhen lassen. Und auch der Trauer Raum geben. Das tun wir heute hier auf dem Friedhof. Wir schauen auf den Weg, den wir bislang gegangen sind. Wir trauern um Menschen, die seit Beginn der Pandemie gestorben sind. Und wir nehmen die in den Blick, die besonders belastet sind und leiden müssen. Wir tun das im Vertrauen auf Gott. Gott geht mit uns."

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Du Gott,
Du bist Hirte,
Hüter des Lebens.
So viele brauchen dich jetzt.
Es ist eine schwere Zeit.
Nun bitten wir dich:

Berge die Toten in deinen Armen.

Sei bei denen, die um ihre Lieben weinen.

Behüte die Kranken.

Sei am Bett der Sterbenden.

Stärke alle, die die Kranken pflegen.

Erfrische die Erschöpften.

Tröste die Mutlosen.

Beschütze die Kinder.

Gib Weisheit denen, die politische Entscheidungen treffen. 

Sei bei denen, die wir dir nennen.

Lass niemand verloren gehen.
Bewahre uns, Gott, in deinem Frieden.

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Eine Antwort war gefragt: vor 500 Jahren, am 18. April - der damals ein Sonntag war. Martin Luther, Mönch und Professor für biblische Theologie an der Universität zu Wittenberg, ist von Kaiser Karl V. aufgefordert worden, seine Schriften, Aufsätze und Bücher zu widerrufen. Martin Luther antwortete allerdings nicht mit Ja oder Nein - und ich nicht mit dem häufig zitierten Satz: "Hier stehe ich und kann nicht anders!"

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Mehr über das, was vor 500 Jahren - am 18. April 1521 - in Worms geschehen ist, kann hier nachgelesen werden - bitte klicken. 

 

Was am Tag davor geschehen ist, kann hier nachgelesen werden.