Am ersten Adventssonntag, 3. Dezember, wird in der evangelisch-lutherischen Marienkirchengemeinde in Aerzen Christof Vetter als neuer Pastor eingeführt. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Marienkirche in Aerzen. Christof Vetter ist seit 16. November als Pastor der evangelischen Gemeinde Aerzen zuständig für Aerzen, Dehmkerbrock, Grießem, Grupenhagen, Königsförde, Multhöpen, Reher, Reinerbeck und den niedersächsischen Teil von Reine. Der Gottesdienst zur Einführung wird von Superintendent Philipp Meyer und Pastor Jens Riesener (Hemeringen-Lachem) zusammen mit Christof Vetter gestaltet. Musikalisch wirken neben der Organistin Eleonore Heinz aus Aerzen noch der Singer-Songwriter Fritz Baltruweit (Hildesheim) und die Flötistin Katja Verdi (Markdorf/Bodensee) mit. Den Segen für den Dienst des neuen Pastors sprechen außer Superintendent Philipp Meyer Diakonin Selma Conzendorf (Aerzen), Pastor in Ruhe Jürgen Harms, Gabriele Mosel (beide Hameln) und Franziska Wackerbarth (Lutherstadt Wittenberg). Für den Kirchenvorstand von Aerzen begrüßt dessen Vorsitzender Ullrich Händchen. Christof Vetter ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Nach dem Studium in Tübingen und Hamburg und dem Vikariat wurde er 1990 in Schwenningen/Neckar zum Pfarrer ordiniert. Er übernahm dann die dritte Pfarrstelle in Trossingen. Nach Stationen als Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war der Theologe, der ausgebildeter Journalist ist, von 2009 bis 2014 zuständig für die Publizistik und die Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und die Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Im Herbst 2014 wechselte er zum Verein „Reformationsjubiläum 2017“. In Berlin und Lutherstadt Wittenberg verantwortete er als Abteilungsleiter Marketing unter anderem die Presse- und die digitale Öffentlichkeitsarbeit für die Großveranstaltungen des Jubiläums 500 Jahre Reformation.

 


1. Herr Vetter, wer Sie sprechen hört, merkt gleich, dass Sie nicht in Hamburg oder Kiel geboren sind. Wo kommen Sie her?


Geboren bin ich in der Stadt, die ich für lange Zeit in meinem Leben als die schönste Stadt der Welt gesehen habe: in Tübingen. Dort haben meine Großeltern gelebt und dort habe ich die meiste Zeit studiert. In der Zwischenzeit weiß ich, dass es im Weserbergland genauso tolle Städte und Orte gibt und ich mich dort als Schwabe richtig wohlfühlen kann – und meistens trotz meines Dialekts verstanden werde.

2. Was hat damals zu dem Entschluss geführt, dass Sie Theologie studiert haben und Pastor geworden sind?

Dafür gab und gibt es viele Gründe. Mein Vater erzählt, ich sei vom Konfirmandenunterricht nach Hause gekommen und hätte den Berufswunsch geäußert, weil ich das besser könne als der, der mich später konfirmiert hat. Kurz vor Studienbeginn war mir klar, dass ich nur etwas studieren kann, wo wir uns gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit machen – und heute weiß ich, dass ich den schönsten Beruf der Welt habe.

3. Nach einer langen Phase mit anderen Aufgaben arbeiten Sie jetzt als Gemeindepastor. Auf welche Bereiche der Gemeindearbeit freuen Sie sich besonders?

Das Leben in der Gemeinde habe ich in den 26 Jahren mit Sonderaufgaben im publizistischen Bereich der evangelischen Kirche immer vermisst. Deshalb freue ich mich jetzt auf das Leben miteinander in der Aerzener Kirchengemeinde und in der Region IV. Miteinander leben heißt für mich, dass wir miteinander mit den jeweiligen Begabungen und Talenten die Gegenwart gestalten, um in die Zukunft zu starten. Wir alle in den Kirchengemeinden haben eine Mit-Verantwortung für die lokale und regionale Zivilgesellschaft. Das ist für mich die große Herausforderung unserer Zeit. Oder einfach gesagt: Unsere Zukunft wird nicht in Berlin oder Hannover gemacht, sondern bei uns in der Straße, in unserer Nachbarschaft, im Weserbergland.

4. Was tun Sie und Ihre Frau gern, wenn Sie beide mal frei haben?

Wenn wir frei haben und unser aus Spanien stammender Hütehund uns nicht – gerne einmal stundenlang – durch die Wälder und Felder führt, genießen wir kulturelles Leben in vollen Zügen und mit so vielen Facetten wie möglich: Theater, Kabarett, Musik von Bach bis Bap und Bücher voller Fantasie. Weil wir beide gern und viel arbeiten, genießen wir gern die Ruhe im Strandkorb in unserem Garten oder auf der Couch in unserem Wohnzimmer und zudem gemeinsam selbst gekochtes Essen.

Das Interview führte Pastor Simon Pabst aus Groß Berkel.

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von Sabine Brakhan

375 Jahre großer Brand in Aerzen von Sabine Brakhan „Die Menschen in Aerzen standen vor der Entscheidung, den Ort zu verlassen und ihn wüst fallen zu lassen, oder die Ärme hoch-zukrempeln, an die Zukunft zu glauben und den nach dem großen Brand am 16. Oktober 1642 eingeäscherten Flecken wieder aufzu-bauen. Sie entschieden sich für die zweite Möglichkeit“, führte Bürger-meister Bernhard Wagner unter anderem in seinem Grußwort im An-schluss an den Gedenkgottesdienst zum 375. Jahrestag des verhee-renden Großbrandes aus. Gemeinsam erinnerten Kirche, der Aer-zener Ortsrat und der Feuerschutzausschuss des Fleckens Aerzen sowie die örtliche Feuerwehr mit einer gemeinsamen Veranstaltung an dieses Ereignis. Gottes Zuspruch und Ermutigung in scheinbar ausweglosen Lebenslagen stand im Mittelpunkt der Predigt von Lek-tor Dr. Ullrich Händchen. Bei goldenem Oktoberwetter nutzten zahl-reiche Besucher die Gelegenheit, sich von der Freiwilligen Feuerwehr Aerzen auf den Kirchplatz während verschiedener Vorführungen de-monstrieren zu lassen, wie moderne Lösch- und Rettungstechnik heu-te eingesetzt wird. Auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert nahm Gäs-te- und Kirchenführerin Magdalena Danger die Besucher mit. In der Rolle der Anna Dorothea von Kerssenbrock brachte sie die Geschich-te der Marienkirche den Besuchern auf unterhaltsame Art näher. In der Schwöbberprieche bescherte Dr. Ullrich Händchen den kleinen Besuchern einen märchenhaften Moment mit der Erzählung von „Hans im Glück“. Im Gemeindehaus war neben der Kaffeetafel Inte-ressantes über den 30-jährigen Krieg und die Reformation im hei-mischen Bereich zu erfahren. Diakonin Selma Conzendorf bedankt sich mit einem Buchpräsent bei Heinz Schmidt aus Bad Aarolsen, der das alte Dokument über den Brand in Aerzen transkribiert hat. Ins loc-kere Gespräch mit den Besuchern kamen auch die MitgliederInnne des Ortsrates und des Feuerschutzausschusses, die einen Teil des Caterings übernommen hatten. Am Ende konnten 700.-€ Reinerlös als Spende ans örtliche Netzwerk Net-Fleck weitergegeben werden.

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